Entwicklung Finanzhaushalt und Steuerfuss

Bisherige Massnahmen

Der Gemeinderat fokussiert seit mehreren Jahren darauf, die betrieblichen Aufwände zu redu­zieren und die Erträge dort zu erhöhen, wo es fachlich und politisch vertretbar ist. Auch im Zuge der Budgetplanungen 2025 und 2026 haben sämtliche Abteilungen ihre Ausgaben um­fassend geprüft, um Einsparpotenziale aufzuzeigen. Investitionsvorhaben wurden kritisch hin­terfragt, teilweise vollständig gestrichen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Ebenso wurden Ausgaben, die nicht als zwingend notwendig gelten, nach Möglichkeit aus dem Budget entfernt.

Parallel dazu hat der Gemeinderat mittel- und langfristig ausgerichtete Massnahmen einge­leitet, um die Gemeindefinanzen nachhaltig zu entlasten. Dazu zählen insbesondere die ver­stärkte Zusammenarbeit mit Rorschach sowie die geplante Zusammenlegung der IT-Infrastruk­turen mit Rorschach und Rorschacherberg. Diese strategischen Schritte sollen Synergien schaf­fen, die Effizienz steigern und langfristig zu einer spürbaren Kostenreduktion führen. Ebenso wird eine umfassende Überprüfung der bestehenden Förder- und Unterstützungsmassnahmen vorgenommen.

Weitere substanzielle Einsparungen wären nur durch Einschränkungen im Leistungsangebot möglich – ein Schritt, der bewusst vermieden wird.

Das bisherige Vorgehen entspricht dem Anliegen der politischen Parteien und reflektiert den an der letzten Bürgerversammlung klar geäusserten Willen der Bevölkerung, nachhaltige Lösungen zu verfolgen, ohne die kommunalen Leistungen unverhältnismässig zu reduzieren.

Nachfolgend sind die bisher ergriffenen Massnahmen zusammengefasst.

Massnahmen 2025
Minderaufwand
Mehrertrag
280'000
Verzicht auf Anschaffungen, teils im minimalen Bereich, Reduktion Personalaufwand, Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich
140'000
Verzicht im Bereich Bau wie Neugestaltung Seeanlage, Beleuchtung, Parkuhren
272'000
Verzicht bei den Liegenscahftsaufwendungen wie Pflanzgefässe, Zaun, Vandalenschutz, Fassadenrenovation, Umgestaltungen, Planschbecken, Informationstafel etc.
300'000
Verzicht auf Investitionen wie Beleuchtungsersatz, Lastenlift, Fenstersanierung
501'000
Einsparungen laufendes Jahr aufgrund Ausgabenkontrolle, Neuverhandlungen, neue Verträge, Senkung Personalaufwand, mehr Eigenleistungen bzw. weniger Drittleistungen, Gemeindebeiträge
86'000
Gebührenerhöhungen Einbürgerungen, Bauverwaltung, Bermietungen, Gastwirtschaftspatente, Geschirrverleih
1'493'000
86'000

Massnahmen 2026
Minderaufwand
Mehrertrag
236'000
Zusammenarbeit Informatik, Lieferantenwechsel, mehr Eigenleistungen, Neuverhandlungen, neue Verträge, Reduktion Förderpool, Streichung Funktionszulage ILZ/Nachteilsausgleich, Verzicht Betreuungslektion
300'000
Verzicht auf Kleingruppenkindergarten
59'000
Gebührenerhöhungen Hafen, Musikschule, Tagesstrukturen
536'000
59'000
 
Perspektiven

Die finanzielle Lage der Gemeinde Goldach hat sich zwar leicht verbessert, bleibt jedoch ange­spannt. Trotz der getroffenen Optimierungen reichen die bisherigen Massnahmen nicht aus, um die strukturellen Herausforderungen vollständig zu bewältigen. Die Steuererhöhung ist unumgänglich, um die langfristige Stabilität der Gemeindefinanzen zu gewährleisten, notwen­dige Investitionen weiterhin zu ermöglichen und die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde fortzuführen.

Als direkte Folge der angespannten betrieblichen Lage können die anstehenden Investitionen über längere Sicht nicht mehr vollständig aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Dies führt dazu, dass zur Finanzierung vermehrt Fremdkapital aufgenommen werden muss, was mit entsprechenden Risiken – insbesondere Zinsrisiken und einer höheren Verschuldung – verbun­den ist. Die Investitionstätigkeit war in den vergangenen Jahren aufgrund verschiedener externer und interner Faktoren eher gehemmt. In den kommenden Jahren stehen jedoch mehrere bedeutende Projekte an, die für die Weiterentwicklung der Gemeinde unerlässlich sind.

Steuerfussentwicklung / Steuerfussvergleich

Im Jahr 2003 lag der Steuerfuss der Gemeinde noch bei 130 Prozent und ist seither kontinuier­lich gesunken, bis er im Jahr 2022 den Tiefststand von 91 Prozent erreichte. Schon mehrfach hat der Gemeinderat darauf hingewiesen, dass dieser Wert die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse nicht abbildet und ein strukturelles Defizit besteht. Der tiefe Steuerfuss konnte in den vergangenen Jahren nur dank ausserordentlicher Mehreinnahmen aufrechterhalten wer­den. Trotz dieser ausserordentlichen Situationen wurden die Steuern gegen den Willen des Gemeinderats gesenkt.

Die nachfolgende Grafik stellt Goldach in einen direkten Vergleich mit anderen Gemeinden ähnlicher Grösse. Dabei zeigt sich deutlich, dass Goldach im Jahr 2025 mit einem Steuerfuss von 95 Prozent ausgesprochen gut positioniert war. Innerhalb dieser Vergleichsgruppe lag lediglich die Gemeinde Widnau noch tiefer.

steuerfussentwicklung kanton

Mit der nun vorgesehenen Anpassung soll der Steuerfuss wieder auf ein Niveau gehoben werden, das ungefähr demjenigen der Jahre 2019/2020 entspricht. Eine solche Erhöhung bedeutet jedoch keineswegs, dass Goldach im kantonalen Vergleich aus dem Rahmen fällt – im Gegenteil: Die Gemeinde bewegt sich damit weiterhin im bisherigen Bereich.

Der durchschnittliche Steuerfuss aller St. Galler Gemeinden lag im Jahr 2025 bei 111  Prozent. Von den insgesamt 75 Gemeinden hatten lediglich 14 einen Steuerfuss von 95 Prozent oder weniger. Die grosse Mehrheit – 61 Gemeinden – wies bereits Werte von über 100  Prozent aus. Goldach steht mit der geplanten Erhöhung keineswegs allein da, sondern folgt der Ent­wicklung, die in vielen Gemeinden absehbar ist.

Bei der Steuerkraft liegt Goldach mit CHF 3’002.45 pro Einwohnerin und Einwohner lediglich leicht über dem kantonalen Mittelfeld, das bei CHF 2’940.79 liegt. Dieser geringe Abstand zeigt eindrücklich, dass Goldach trotz einer durchschnittlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sorgfältig haushaltet und seine finanziellen Mittel ausgesprochen effizient einsetzt.

Der vorgeschlagene Steuerfuss ist daher nicht ein Hinweis auf mangelnde Budgetdisziplin, sondern eine notwendige und vorausschauende Massnahme, um die finanzielle Stabilität lang­fristig zu sichern. Er schafft die Grundlage dafür, dass die Gemeinde ihre Aufgaben weiterhin verlässlich erfüllen und wichtige Entwicklungsprojekte nachhaltig vorantreiben kann.

Entwicklung Aufwände und Erträge

Die voranstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Aufwände und Erträge der Gemeinde Goldach zwischen 2020 und 2026. Besonders sichtbar wird dabei die zunehmende Diskrepanz zwischen den beiden Grössen: Während die Aufwände im Zeitverlauf stetig ansteigen, bleiben die Erträge deutlich zurück.

Bereits in den Jahren 2022 bis 2024 lässt sich erkennen, dass die ordentlichen Erträge die Auf­wände nicht mehr decken. Diese Situation bestätigt das vom Gemeinderat mehrfach kommuni­zierte strukturelle Defizit.

Der Wert 2026 beinhaltet bereits die geplante Anhebung des Steuerfusses um 4 Prozent­punkte. Trotz dieser zusätzlichen Einnahmen bleibt die finanzielle Lage angespannt. Die Aufwände übersteigen weiterhin die Erträge – die Lücke wird lediglich verkleinert, aber nicht geschlossen. Selbst mit der vorgesehenen Steuerfusserhöhung erreicht die Gemeinde noch keinen aus­geglichenen Haushalt. Eine höhere Steuerfusserhöhung wäre grundsätzlich erforderlich, um die strukturelle Unterdeckung vollständig zu beseitigen. Die 4 Prozentpunkte stellen somit einen Kompromiss zwischen finanzieller Notwendigkeit und politischer sowie gesellschaftlicher Tragbarkeit dar.

Nettoverschuldung pro Einwohner

Die Grafik zeigt die Nettoverschuldung pro Kopf im Vergleich mit ähnlich grossen Gemeinden. Diese Kennzahl unterstreicht eindrücklich, dass Goldach über viele Jahre hinweg voraus­schauend, kontrolliert und diszipliniert investiert hat. Die Gemeinde hat ihre Mittel sorgfältig eingesetzt und konsequent darauf geachtet, keine übermässige Verschuldung aufzubauen. Trotz dieser soliden Ausgangslage bleibt die finanzielle Situation angespannt, und die Ver­schuldung würde künftig steigen, wenn keine weiteren Massnahmen ergriffen werden.